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Dreiundzwanzig.

Seit meinen Umzug in ein selbstbestimmtes Leben mit Assistenz finde ich es ziemlich spannend, wie sehr ich über mich selbst ins Nachdenken gerate und mir beispielsweise einige alte Denkweisen neu zurecht legen muss. Dabei geht es um den Umgang mit Assistenz. "Früher", bis vor einem halben Jahr fand ich es befremdlich, wie ein paar behinderte Menschen, die mir begegneten, mit ihren Assistenten umgingen; sie wie Luft behandelten und ich spüre noch deutlich, dass ich mir wünschte, niemals so zu werden - Schließlich sind die Assistenten doch menschliche Wesen und keine seelenlosen Roboter, die einfach ohne jegliche Beachtung "funktionieren". Immerhin überkam mich in solchen Momenten gleichzeitig aber auch eine leichte Woge der Bewunderung. Ich meine, wenn man mal ganz knallhart ehrlich ist, ist so ein Verhalten - wenn Behinderte ihre Assistenten wie Roboter bzw. einfach wie ihre Arme und Beine behandeln - doch in gewisser Weise beflügelnd für Inklusion. Und ich meine, theoretisch, ganz trocken und gefühlskalt gedacht werden die Assistenten ja dafür bezahlt, die Arme und Beine der Behinderten zu ersetzen und das ist i.d.R. alles - außer man hat jemnden, der außerdem noch geistige Unterstützung braucht, aber darum geht´s hier nicht. Auf jeden Fall ist das, denke ich, zumindest ein Bestandteil der Theorie, wie Inklusion funktionieren könnte.  Praktisch wurde ich glücklicherweise dazu erzogen, keinen Menschen wie einen seelenlosen Roboter zu behandeln, insbesondere, wenn dieser Mensch so wertvoll für einen ist. Nun ja, allerdings sollte ich auch an dieser Stelle meine Lektion lernen. Der 1. Oktober kam und ich hatte endlich meine 24-Stunden-Assistenz sicher. Doch so sehr ich mich darüber freute und immer noch freue, so sehr musste ich auch feststellen, wie unheimlich das ist; wenn man jeden Tag rund um die Uhr jemanden in der Wohnung sitzen hat, der einen am besten noch erwartungsvoll anguckt. Klar, ich wusste immer, dass ich die Assistenz ruhig auch mal tagsüber wegschicken "darf". Aber irgendwie wollte ich sie ja auch nicht aus meiner Wohnung werfen. Und wohin überhaupt? Und würde sie sich da nicht furchtbar langweilen? Am Anfang hielt ich energisch an meinem Vorhaben fest, meine Assistenten nie wie Roboter zu behandeln - und merkte schnell, wie unglücklich ich damit war; wenn ich vor lauter idiotischen Verantwortungsgefühl meinen Assistenten gegenüber meine eigenen Vorstellungen, wie ich den Tag gestalten will, schleifen ließ; wenn ich mich nicht traute, meine Musik zu hören oder meine Sendungen zu gucken. Ich hatte das Gefühl, ich müsste mich um meine Assistenten kümmern, sie "bespaßen", sie bei Laune halten. Ich hatte zu Beginn wahnsinnige Schwierigkeiten, meine Assistenten links liegen zu lassen, auch, wenn sie im selben Raum wie ich sind. Das fällt mir jetzt immerhin nicht mehr ganz so schwer, auch wenn es immer noch ein komisches Gefühl ist. Ich traue mich inzwischen auch mal ab und zu Musik zu hören, obwohl meine Assistentin in der Wohnung ist. Mit den Fernsehsendungen ist es schwieriger, aber auch da kann ich Fortschritte vermerken. Das Wegschicken fällt mir in gewissen Situation immer noch sehr schwer und ich bin zugegebenermaßen sehr dankbar, wenn meine Assistenten, wenn ich Besuch bekomme oder so, von sich aus anbieten, sich mal ein paar Stunden in mein Schlafzimmer zurückzuziehen oder bei gutem Wetter spazieren zu gehen. - Ich muss also immer noch sehr viel lernen. Ich finde sowohl diesen, wenn man so will, Entwicklungsprozess sehr spannend, als auch die Tatsache, dass die mögliche Inklusion in diesem Fall einzig und allein an mir bzw. an meiner Einstellung scheitert. Zumindest im Moment.
11.3.16 10:59
 
Letzte Einträge: Vierzehn., Sechzehn, Zwanzig., Einundzwanzig.


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