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Dreizehn.

Ich bin keine Vorzeigebehinderte, d.h. ich bin keine Expertin in eigener Sache (ich hab keine Ahnung, wie man das Leben als Behinderte zielstrebig "wuppt"). Meine Familie ist auch bestimmt keine Vorzeigefamilie für ein behindertes Kind/Mitglied. Gibt es das überhaupt? Na ja, egal. Auf jeden Fall finde ich es verständlich, dass sich meine Eltern, als ich völlig gesund geboren wurde, auf ein einigermaßen normales Leben mit nichtbehinderten Kindern eingestellt haben. Warum auch nicht? Konnte ja keiner wissen, dass ich 6 Jahre später einen Schlaganfall haben und behindert sein würde! Dementsprechend waren wir natürlich alle überfordert, als es geschah. Und wir fühlten uns auch immer ziemlich mit dieser Überforderung im Stich gelassen. So auch bei meiner Wohnungs- und Arbeitssuche. Ich hatte immer den Plan, dass ich, nachdem ich die Uni (den Bachelor) beendet hatte, wieder in die Nähe meiner Eltern zu ziehen, - vorzugsweise nach Bonn - um dort zu wohnen und zu arbeiten. Vor 2, 3 Jahren fingen meine Eltern und ich also an, mir eine behindertengerechte Wohnung in Bonn zu suchen. Das war zwar nicht ganz so frustrierend wie die Arbeitssuche - man musste nicht monatelang auf ein halbwegs passendes Angebot warten -, aber es war dennoch ziemlich anstrengend. Es war deprimierend zu sehen, in was für "Ghettos" und teilweise versifften Einrichtungen Behinderte in dieser (vermeintlich) inklusiven Gesellschaft im hoch entwickelten Deutschland untergebracht werden. Natürlich gibt es von der Lebenshilfe viele Angebote bzgl. Betreutem Wohnen, aber diese zielen - meines Wissens nach - alle auf entweder "nur" geistig Behinderte oder körperlich UND geistig Behinderte, nicht auf "nur" körperlich Behinderte. Ich hab natürlich überhaupt nichts gegen geistig beeinträchtigte Menschen, ich möchte nur nicht 24 Stunden am Tag mit ihnen in einer Wohngruppe verbringen. Da reichen mir die Erfahrungen aus meiner Grundschule in Bonn. - Und ich mein, was soll das? Ich muss doch nicht ins Betreute Wohnen, nur weil ich in körperlicher Hinsicht ein Pflegefall bin! Diese Zeiten sind zum Glück vorbei! Ich bin doch geistig vollkommen fit: Ich kann meine Rechnungen bezahlen, ich kann meinen Tag strukturieren, Verantwortung übernehmen... Ich muss "nur" ambulant betreut/gepflegt werden - und da ich mein Praktikum in Marburg beim fib e.V. gemacht hab, mit dessen Unterstützung behinderte Menschen u.a. in ihrer eigenen Wohnung leben und ambulant gepflegt werden können, weiß ich, dass das möglich ist. Nun gut, aber nichtsdestotrotz war bzw. ist die Realität in Bonn immer noch recht ernüchternd und wir entschieden, uns zumindest einmal mit dem Betreuten Wohnen als Option auseinander zu setzen. Wir suchten das Therapiezentrum in Bonn auf, eine Wohngruppe für behinderte Menschen. Während der Besichtigung wurde mir schnell klar, dass ich dort nicht unbedingt wohnen wollen wurde. Nach der Besichtigung wurden wir von zwei Damen beraten. Die eine Dame erkannte schnell, dass das Betreute Wohnen eigentlich nichts für mich war. Sie wies uns auf ein DRK-Projekt hin, das sie organisierte. Dabei sollte ein Haus in Bonn Auerberg gebaut werden, in dessen 2. Stock behindertengerechte Appartments sein sollten, in denen "nur" körperlich Behinderte ambulant wohnen können. Gleichzeitig sollte im Erdgeschoss eine Pflegestation sein, bei der die Bewohner spontane Unterstützung anfordern können. Allerdings konnte der Bau von diesem Haus bis zu 2 Jahre dauern. Egal, ich ließ mich trotzdem auf die Warteliste schreiben. Kurze Zeit später - oder war es davor? - stieß meine Mama im Internet auf die 'Villa Emma', einer Wohnungsgenossenschaft für Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf. Sie legte mir nahe, mich dort um einen Platz zu bewerben, was ich auch tat. Aber leider waren zu dieser Zeit keine Wohnungen frei. Ungefähr nach einem Jahr, ich hatte gerade die letzte Prüfung meines Studiums bestanden und wartete voller Freude auf die Absolventenfeier meines Jahrgangs, schrieb mir eine Dame, die ich zuerst nirgends zuordnen konnte. Dann dämmerte mir jedoch, dass es dieselbe Dame war, bei der ich mich damals um einen Platz in der 'Villa Emma' beworben hatte. Sie sagte mir, dass dort zwar immer noch nichts frei wäre, in der 'Amaryllis eG' aber zum Februar 2015 allerdings eine behindertengerechte Wohnung frei werden würde, die mich vielleicht interessieren könnte. Die Amaryllis eG ist ein Mehrgenerationenwohnprojekt, so ´ne Art Kommune, die alles privat organisiert. Deswegen muss alles demokratisch entschieden werden - mehr noch: ALLE müssen einstimmig dafür oder dagegen sein. So verhält sich das auch bei der Frage, wer einziehen darf und wer nicht. Okay, Anfang Februar wurdr dort eine also rollstuhlgerechte Wohnung frei, die, ehrlich gesagt, traumhaft für mich ist. Der Vorteil für mich, in diesem Haus zu wohnen, wäre außerdem, dass ich vom Pflegedienst der 'Villa Emma' profitieren könnte, die quasi direkt nebenan ist. Also hab ich mich Ende letzten Jahres für die Wohnung beworben, hab ein Motivationsschreiben verfasst, war im letzten und in dieses Jahr insgesamt drei Mal bei sogenannten Kennenlern-Treffen der Amaryllen, zwei von denen war bei uns zuhause. Es war, um ehrlich zu sein, recht nervig und aufwendig. Schließlich nahmen die Amaryllen sogar Mietausfälle in Kauf, weil sie sich einfach nicht einigen konnten, ob ich die Wohnung bekommen darf. Das Hauptproblem, mit dem sie sich offenbar schwer taten, war die Angst, dass sie als Bewohner mich - z.B. in Notsituationen - pflegen oder mir assistieren müssten. Das erwarte ich natürlich überhaupt nicht! Wenn ich irgendwo einziehe, will ich da nicht als bedürftiger Pflegefall einziehen, für den die anderen Hausbewohner verantwortlich sind und den sie pflegen müssen -, sondern als "normale" eigenverantwortliche Bewohnerin, die sich selbstverständlich selber einen Pflegedienst organisiert und die auch selber am besten weiß, was und wie viele Hilfen sie braucht. Aber das haben mir die Amaryllen - zumindest einige von ihnen - lange Zeit scheinbar nicht geglaubt. Wenn ich so darüber nachdenke, war das durchaus recht verletzend. Trotzdem haben sich die meisten aus meinem sozialen Umfeld mehr darüber aufgeregt als ich. - Zum Ende hin hab ich mich zwar schon aufgeregt, aber eher über die furchtbar lange Wartezeit. Dass ich auf den ersten Blick von vielen unterschätzt werde und mich noch viel mehr als Nichtbehinderte beweisen und darum kämpfen muss, als autonomer eigenverantwortlicher Mensch ernst genommen zu werden, ist für mich, glaub ich, einfach schon zur Normalität geworden. Zumindest in gewissen Kontext. So ein Wohnhaus mit mehreren Parteien, sowas gehört für mich eigentlich schon zu den Bereichen, wo es okay ist, wenn ich im ersten Moment verurteilt werde, wenn einige Bewohner Bedenken haben und skeptisch sind. Das ist zumindest meine persönliche Meinung. Aber meine Geduld war ziemlich erschöpft, deswegen hab ich den Amaryllen Ende Januar/Anfang Februar im Geheimen eine Art "Deadline" gesetzt. Ich habe mir vorgenommen, dass ich, wenn ich spätestens bis zum 9.2. kein klares Ja oder Nein bekommen hätte, meine Bewerbung zurückziehen würde. Ich weiß, das ist ziemlich blöd, weil ich ja nicht wirklich viele Alternativen hatte (mind. ein Jahr darauf warten, bis dieses DEK-Projekt fertig ist oder mich tatsächlich ins Betreute Wohnen begeben). Na ja, aber ich muss zugeben, dass ich einfach keine Lust mehr hatte, mich jedes Mal dafür rechtfertigen zu müssen, dass ich meinen Pflegedienst und meine Assistenz selber organisieren und alleine wohnen kann und dass ich selbstverständlich zwischen Pflege/Assistenz und nachbarschaftlichem Wohnen differenzieren! Wie auch immer, schließlich haben die Amaryllen sich tatsächlich entschieden, mir die Wohnung zu geben! Am 30.3. darf ich den Mietvertrag unterschreiben. Bis dahin gibt es noch viel zu tun: Anfang März haben meine Eltern und ich einen Beratungstermin beim Pflegedienst. Außerdem versuchen wir seit Tagen den VDK zu erreichen, der uns im Hinblick auf das Persönliche Budget etc. beraten soll, weil - zumindest ich momentan recht überfordert damit bin. Das Problem ist auch, dass ich ja mit meinen 23 Jahren noch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld habe -, obwohl ich arbeitslos bin.
27.2.15 11:34
 
Letzte Einträge: Vierzehn., Sechzehn, Zwanzig., Einundzwanzig., Dreiundzwanzig.


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