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Neun.

Ein weiteres Beispiel, dass Inklusion auch in der Praxis hervorragend funktioniert, ist die Arbeitssuche von Behinderten. Diese fängt für gewöhnlich im Arbeitsamt an. Als mir also Anfang des Jahres aufgefallen ist, dass mein Studium vermutlich Ende September vorbei sein würde und danach wohl eher nicht spontan entdeckt werde, um eine Bilderbuch-Karriere zu machen, dachte ich mir, dass ich mich lieber schon mal beim Arbeitsamt melden und beraten lassen sollte. Meine Erwartungen waren nicht besonders hoch – von wegen ´Die haben jetzt die ultimative Lösung für mich und nach dem Studium werde ich von denen nahtlos vermittelt´ -, aber ich sollte bald feststellen, dass sie trotzdem noch nicht niedrig genug waren.

Na schön, im April oder so war es soweit. Ich hab ja „nur“ noch meine Bachelor- und Jahresarbeit geschrieben und war dementsprechend die meiste Zeit zu Hause in Rheinbach. Wie auch immer... Jedenfalls hab ich meinen Vater und Dolmetscher gebeten, beim Arbeitsamt anzurufen und einen Termin für mich auszumachen. Das hat er dann auch gemacht, wobei er außerdem betont hat, dass ich behindert bin. Die Dame am anderen Ende der Leitung hat allerdings darauf bestanden, mich persönlich zu sprechen, da ich ja über 18 bin. Im Grunde ist das ja auch alles richtig und gut so, aber sie scheint offenbar nicht verstanden zu haben, dass ich sprachbehindert bin und sie mich wohl eher nicht auf Anhieb verstehen wird. Mein Vater gab mir den Hörer und es geschah, was geschehen musste: Ich hab mich wirklich sehr bemüht, laut und deutlich zu sprechen. Die Dame verstand kein Wort. Im Gegenteil: Sie tat ganz so, als würde sie überhaupt nichts hören – Kurzum: Sie nahm mich nicht ernst. Immerhin sagte sie ganz FÜNF mal monoton „Hallo?“ und dann brachte sie sogar noch ein sachliches „Ich lege jetzt auf“ heraus.

Allerdings wurde ich wenig später tatsächlich postalisch eingeladen, ins Arbeitsamt zu kommen. Immer noch ganz benommen von dieser unfassbaren Großzügigkeit habe ich das Bonner Arbeitsamt aufgesucht und habe meinen Rollstuhl in den Raum gezwängt, der mir genannt wurde - und sah mich dem entsetzten und peinlich berührten Blick des Mannes gegenüber, der mich beraten sollte. ,,Ja, wie, Sie sitzen im Rollstuhl? Da hätte man Sie eigentlich in den Rehabereich schicken müssen. Ich kann Ihnen nicht helfen.", sagte er und ein unschuldiges Lächeln umspielte seine Lippen. „Es ist egal, ob Sie geistig fit sind und studiert haben. Die Kollegen und Kolleginnen im Rehabereich können Sie besser beraten und vermitteln. Die haben mehr Erfahrungen mit behinderten Menschen als wir“.

Reizend, oder? Ich wiederhole die Kernaussage mal in eigenen Worten, weil man sie sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen muss: In Zeiten der UN-Behindertenkonvention, des Behindertengleichstellungsgesetzes, der vermeintlichen Inklusion werden Behinderte und Nichtbehinderte im fortschrittlichen Arbeitsamt hübsch säuberlich voneinander getrennt. Behinderte werden in den Rehabereich verfrachtet, Nichtbehinderte dürfen sich zu den 'Normalen' zählen, die nicht gesondert beraten werden müssen.

Ich habe dann glücklicherweise noch am selben Tag einen Termin im Rehabereich ergattern können - Nebenbei bemerkt: Die Büros und die Türen sind da genauso eng wie überall sonst. Der Typ da war auch eindeutig kompetenter als der andere, aber ich find das trotzdem eine Unverschämtheit! Mein Gott, dann sollen die alle nicht so rumschreien, dass die Inklusion so super vorangeschritten ist, sondern einfach mal zugeben, dass die das nicht schaffen und jawohl offenschtlich auch zu großen Teilen gar nicht wirklich schaffen wollen! Das ist zumindest mein Eindruck und ich ließe mich wirklich schrecklich gern vom Gegenteil überzeugen!

Ich mein, ich persönlich, ich find so eine Trennung zwischen Behinderten und Nichtbehinderten in manchen, nicht in allen, aber in manchen Fällen sogar angemessen und effektiv. Ich mein, es stimmt, Sonderpädagogen sind anders ausgebildet als Lehrer, Berater anders als spezielle Behindertenberater. ABER wenn Deutschland schon die UN-Behindertenkonvention unterschrieben hat, dann erwarte ich auch, dass Behinderte nicht nur oberflächlich, sondern ganzheitlich inkludiert werden und DAS ist meiner Meinung nach eine riesige verlassene Baustelle, die droht, in Vergessenheit zu geraten.

Das Arbeitsamt hat mich übrigens, da der Rehabereich auch mit mir überfordert zu sein scheint, jetzt an den Integrationsfachdienst der Stadt Bonn vermittelt, wo ich am 22.10. einen Termin habe. Allein den Namen find ich in Bezug auf den Inklusionsgedanken ernüchternd. INTEGRATIONs - FACHdienst.


29.9.14 10:02
 
Letzte Einträge: Vierzehn., Sechzehn, Zwanzig., Einundzwanzig., Dreiundzwanzig.


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