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Sieben.

An unserem Fachbereich gibt es ein Modul, welches nur durch eine mündliche Prüfung abgeschlossen werden kann. Ich habe mich ziemlich lange vor dieser Prüfung gedrückt, weil, na ja, ich mündlich nicht so stark bin und ich mit Recht befürchtete, die Dozenten würden mich nicht verstehen. In der Schule war das was ganz anderes. Da verstand mich mehr als der Großteil der Lehrer, weil die einfach viel öfter und regelmäßiger mit mir zu tun hatten als die Dozenten in der Uni. Meinen Talker bei der mündlichen Prüfung zu benutzen, kam für mich eigentlich auch nicht in Frage, da ich nicht fit genug bin, um mal eben schnell spontane Antworten mit ihm zu geben. Naja, aber langsam rückte das sechste Semester immer näher und ich musste mir eingestehen, dass ich diese Prüfung irgendwie ablegen musste – und die einzige Möglichkeit dafür sah ich darin, dass ich dies in schriftlicher Form tun durfte. Lange Rede, gar kein Sinn: Statt der Prüfung habe ich im Januar eine Klausur geschrieben, für die ich trotz Schreibverlängerung ziemlich wenig Zeit hatte. Ich habe leider nicht bestanden. Wenig später war ich mit einer Freundin zusammen bei der Prüfungskoordinatorin – oder wie das heißt. Es ging um die versemmelte Prüfung, die ich ja nun irgendwie wiederholen musste. Ich fragte, ob ich dieses Mal nicht noch mehr Zeit bekommen könnte. Das wurde verneint. Die Dame erklärte mir ausführlich, dass sie mir schon alle möglichen Nachteilsausgleiche gegeben hätten, die mir zuständen und saß mir ratlos gegenüber. Es ist durchaus möglich, dass ich das schon wieder zu sehr dramatisiere, aber mein subjektives Empfinden war und ist, dass sie genauso gut hätte sagen können: „Sie sind einfach viel zu behindert, um zu studieren … Ich weiß ja auch nicht, was die da oben sich dabei gedacht haben, aber ICH hab die UN-Behindertenrechtskonvention nicht unterschrieben und mich verpflichtet, ein inklusives Bildungssystem zu gewährleisten bzw. Sie können es ja mal testen, aber Sie sehen ja, dass Sie nicht weit kommen.“ Na gut, den letzten Satz hab ich frei erfunden und das ist womöglich eine etwas zu bösartige Unterstellung. Ist ja auch egal, denn ich muss diese Prüfung so oder so hinter mich bringen und irgendwie bestehen. Also hab ich mit einer Dozentin – einer anderen – ausgemacht, diese Ende Juli/Anfang August zu wiederholen. Als es langsam ernst wurde und ich versucht habe, mit ihr einen konkreten Termin auszumachen, wies sie mich – Gott sei Dank, sonst wäre ich völlig überrumpelt worden – darauf hin, dass es nicht bei nur einen Termin bleiben würde. Genauer gesagt schrieb sie, sie wolle mich daran erinnern, dass der Prüfungsausschuss beschlossen hätte, dass ich die Klausur an 2 Tagen á 2-3 Stunden schreiben werde.

Erstens mal ist es ja sehr nett, dass ich das auch mal erfahre und zweitens: Warum nicht gleich so? Und warum, das frag ich mich bis heute, hat diese Frau Prüfungskoordinatorin im Januar so ein wahnsinniges Theater deswegen veranstaltet, dass mir angeblich keine weiteren Nachteilsausgleiche zugestanden hätten bzw. zustehen würden? Ich weiß gar nicht, worüber ich mich mehr ärgere. Primär hab ich mich natürlich darüber aufgeregt, dass mir vorher niemand Bescheid gesagt hat. Ich wohne ja 200 km von Marburg entfernt und der Plan war eigentlich, dass ich am Prüfungstag lediglich morgens hin und abends zurück fahre. Dementsprechend war ich der Dozentin natürlich dankbar, dass wenigstens sie mich davon unterrichtet hat, dass ich an 2 Tagen hintereinander in Marburg sein muss und ich meinen Plan quasi im letzten Moment noch umstrukturieren konnte. Der sah dann so aus, dass ich am Nachmittag des Vortags der ersten Klausurhälfte mit dem Zug nach Marburg fahren und dann 2 Tage lang im KBH übernachten würde, - das hab ich dann auch so gemacht. Am Morgen der ersten Klausurhälfte zur PhilFak gefahren, in welcher ich die Klausur unter der Aufsicht unserer Prüfungskoordinatorin, nennen wir sie Frau M, schreiben würde. Ich kam da also an, war schon total fertig vor Aufregung, komm im Prüfungsamt an und dann werde ich von Frau M kälter als eiskalt begrüßt. "Begrüßt" ist zuviel gesagt. Die allererste Frage war ein spitzes abweisendes "Sind Sie allein gekommen?" Ich wusste erst gar nicht, was los ist und hab genickt. Und dann pflaumt die mich wie eine ultra-pädagogische Wetterhexe an: "Ach mensch, das haben wir doch so besprochen und auch per Mail abgemacht, dass Sie eine Assistenz mitbringen. Das ist aber jetzt ärgerlich!" Also, 'per Mail' stimmt das überhaupt nicht und besprochen... da kann ich mich auch nicht dran erinnern (Tage später habe ich außerdem von einer guten Freundin erfahren, die im Prüfungsausschuss sitzt, dass das Wort „Assistenz“ an dem Tag, an dem mein Fall diskutiert wurde, gar nicht gefallen ist). Na ja, und überhaupt: Wenn ich zu sowas eine Assistenz mitbrächte, was sollte die denn da, außer sich 3 Stunden langweilen? Mal ehrlich. Wenn da ein PC ist, komme ich prima alleine zurecht. Ich brauche halt wesentlich mehr Zeit als andere mit 10 Fingern, aber es klappt! Basta! Ich mein, das Einzige, wo ich mal kurz Hilfe bräuchte, wäre, wenn ich eine Jacke anhaben würde und man mir die an- und ausziehen müsste. Das war ja bei der ersten Klausur der Fall, aber da hat Frau M mir die ganz selbstverständlich die Jacke an- und ausgezogen und das war eine Sache von einer oder zwei Minuten und da hat sie überhaupt kein Theater gemacht! Und offen gesagt, ich erwarte von einer Frau M an einer Uni in einer (vermeintlich) inklusiven Gesellschaft, dass ihr so etwas gefälligst keinen Zacken aus der Krone bricht! Außerdem finde ich es eine totale UNVERSCHÄMTHEIT, dass die mich wie so ein dummes Kleinkind behandelt, das obendrein nicht selber weiß, wann es eine Assistenz braucht und wann nicht. Tut mir leid, das find ich unmöglich! Ich geb ja zu, wenn man mich sieht, die nicht richtig sprechen kann, die sabbert, denkt man, die kann gar nix, die ist bestimmt geistig behindert. Ja, das versteh ich wirklich! Gut sogar! Ich hab auch verstanden, dass meine Praktikumsmentoren so gedacht haben und mich erst nicht wollten! Aber ich hab bisher in meiner unendlichen Naivität gedacht, in der Uni wär ich vor derartigen Vorurteilen sicher, weil man dann ja zwangsläufig mitkriegt, dass ich Studentin bin und dann ja wohl doch was auf dem Kasten haben muss! Frau M kennt außerdem alle meine Noten, die weiß, dass ich bei keiner meiner Hausarbeiten meine Schreibverlängerung in Anspruch genommen hab! - Sorry, aber das ist echt ein Thema, was mich immer wieder zur Weißglut treibt! - Und so ging es mir an diesem Tag auch, d.h. im ersten Moment war ich einfach nur sprachlos und mein Gesicht hat gebrannt wie Feuer. Und Frau M dann so total gönnerhaft von oben herab in ihrem nüchtern-enttäuschten Ton: "Na gut, dann kommen Sie mal mit." Dann Seufzen. Und dann weiter: "Frau Habenicht, ich möchte BITTE, dass Sie morgen mit Assistenz kommen." Da hätt ich dann am liebsten losgeheult.

Frau M hat mich dann in ein Büro geführt, mir den Computer angemacht, mir die Klausur gegeben, gewartet, bis ich geparkt habe UND DAS WARS! Sie ist dann wieder in ihr Büro gegangen und ich kam bestens alleine klar! Hab dann - das war natürlich auch ein kleiner Triumph - 3 Seiten in 3 Stunden geschrieben, ich glaub, Frau M am Ende diejenige war, die sprachlos war! *Hihi* (Zumindest mag ich die Vorstellung)

Na gut, aber nach diesem dennoch eisigen Empfang wollte ich am nächsten Tag eine Assistenz mitbringen -, nur damit Frau M ruhig ist. (Das ist auch wieder so ne Sache: Behinderte dürfen - in den Augen der Gesellschaft - einfach nicht autonom durchs Leben sausen, einkaufen oder so. Neee, das geht gar nicht, die brauchen I-Helfer, Assistenten und so. Nicht auszudenken, dass mal jemand aus der Gesellschaft spontan hilft, wenn er sieht, dass es nötig ist. DAS wäre in meinen Augen richtige Inklusion oder zumindest ein Teil davon! Aber nein, das ist ja dann wieder eine Zumutung! Das würde dann ja die wunderschöne Fassade der heilen Welt zerstören, in der alles schön getrennt in Reih und Glied von statten geht! Man stelle sich nur einmal vor, die normalen schönen Menschen würden mit sabbernden verkrüppelten Behinderten und deren Hilflosigkeit konfrontiert! Behinderte halten nur auf, also stopft man sie zu den I-Helfern und Sonderpädagogen, die werden ja dafür bezahlt!) Naja, und ich wusste, dass die liebe Esther am Tag meiner zweiten Klausurhälfte Zeit für mich hätte, zumindest bis 14 Uhr, und mich ja vielleicht um 10 zur Klausur begleiten könnte. Hab sie dann auch gefragt und sie hat natürlich, wunderbar, wie sie ist, zugesagt.


Was mir ein bisschen leid für Esther tat, aber für mich ein erneuter cosartiger Triumph war, war, dass Frau M sie dann am nächsten Tag wieder weggeschickt hat, so nach dem Motto: "Wir haben ja gestern gesehen, dass das auch alleine ganz gut klappt." Sie war dann auch viel netter zu mir (also, Frau M, meine ich^^) und ich war kurz davor, ihr zu verzeihen. Aber dann hab ich gedacht: 'Neee, die hat mich echt unmöglich behandelt und wenn ich in meiner Freizeit auf der Straße von Leuten, die mich nicht kennen, mit solchen Vorurteilen oder Bevormundungen konfrontiert werde, ist das in gewisser Weise okay/normal für mich, aber in der Uni MUSS ich mir das de facto nicht bieten lassen. Finde ich. Und das Verhalten von Frau M war/ist auch echt nicht professionell!


Na ja, jetzt hab ichs hinter mir und hoffentlich auch bestanden! Dann kann ich diesen ätzenden Krampf endlich den Rücken kehren!


Aber nochmal zur Klausur und der Behandlung durch Frau M: Als ich mich weitestgehend abreagiert hatte, schlug mir meine liebe Freundin Bente vor, mal eine Feedbackmail an Frau Möglich zu schreiben. Erst hab ich total geblockt: Man tut so etwas doch nicht, man duldet das doch, die armen Nichtbehinderten, die sind doch mit den Behinderten total überfordert, die Behinderten können doch froh sein, dass die Nichtbehinderten sie bevormunden. - Dann hab ich da mal ne Nacht drüber geschlafen und eingesehen, - obwohl das jetzt banal klingt, aber das musste ich mir wirklich nochmal klar machen, - dass die Frau M das überhaupt nicht aus Bösartigkeit getan hat und gar nicht weiß, wie sehr mich das verletzt hat. Wie auch immer: Ich hab ihr also eine bemüht diplomatische E-Mail geschrieben und warte jetzt hoch gespannt auf die Antwort, falls es eine geben wird.

29.8.14 13:52
 
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